Erfahrungen nach dem ersten Jahr DSGVOAm 25. Mai 2019 ist die DSGVO ein Jahr lang in Kraft.

Seit einem Jahr gilt die EU-Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO. Seitdem hat das Thema Datenschutz für viele Unternehmen deutlich an Bedeutung gewonnen. Das liegt auch am hohen Bußgeldrahmen der DSGVO. Bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes dürfen die Bußgelder betragen – so können Datenschutzverstöße für Unternehmen in die Milliarden gehen.

Millionen-Bußgelder bleiben zunächst aus

Praktisch haben zumindest die deutschen Datenschutzbehörden diesen Rahmen im ersten Jahr der neuen Verordnung nicht ausgereizt. Nach einer Umfrage der Welt am Sonntag meldeten die Länder 75 Bußgelder in einer Gesamthöhe von 449.000 Euro. Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen machten dabei keine Angaben.

Insbesondere in den letzten Wochen und Monaten vor Geltungsbeginn der DSGVO war die Unsicherheit beim Thema Datenschutz spürbar. Telefónica NEXT vermarktet seit 2016 anonymisierte Datenanalysen auf Basis von Mobilfunk-Zelldaten. Damit können Verkehrsplaner, Städte oder Händler Bewegungsströme in Deutschland auf einer durchlaufenden Datenbasis nachvollziehen und Mobilitätsangebote besser an die Nachfrage anpassen. Da die analysierten Daten bereits anonym sind und keine Rückschlüsse auf einzelne Mobilfunkkunden möglich sind, findet die DSGVO auch keine Anwendung auf diese Analysen.

"DSGVO schafft mehr Vertrauen im Markt"

„Wir haben mit unseren Kunden im ersten Halbjahr 2018 viel über Datenschutz gesprochen, obwohl unsere Daten mit einem TÜV-geprüften Verfahren anonymisiert werden“, erinnert sich Thomas Kärcher, Leiter Sales für Location and Mobility Analytics bei Telefónica NEXT. „Es gab viele Rückfragen und insgesamt haben sich dadurch auch Projektabschlüsse verzögert.“ Seit die DSGVO in Kraft ist, habe sich diese Entwicklung umgekehrt. „Ich denke, dass die europaweit einheitliche Regelung insgesamt mehr Vertrauen im Markt geschaffen hat. Das kommt uns jetzt zugute“, sagt Kärcher.

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Thomas Kärcher, Leiter Sales Transport Analytics

Telefónica NEXT hat umfangreiches Know-how in der Anonymisierung von Standortdaten in Kombination mit weiteren Datenquellen aufgebaut. Um die hauseigenen Funkzellendaten nutzbar zu machen, investierte das Team mehrere Jahre Arbeit, um ein Anonymisierungsverfahren entsprechend der deutschen Datenschutzbestimmungen zu entwickeln und mit der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) abzustimmen. Denn die Plattform musste nicht den Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes, sondern den noch strengeren Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes (TKG) genügen. Die Plattform ist mittlerweile in Europa und den USA zum Patent angemeldet und TÜV-zertifiziert.

Anonymisierung von personenbezogenen Daten

Solche Verfahren, die Daten flexibel und auch im Kontext anonymisieren können, sind bis heute eine Seltenheit. Während sich vorhandene Tools meist auf die Bearbeitung von Datenbanken beschränken, kann die Data Anonymization Platform statische und dynamische Daten gemeinsam anonymisieren. Im Fall von Telefónica NEXT sind das Standortdaten aus dem Mobilfunknetz in Kombination mit Vertragsinformationen aus CRM-Systemen von Telefónica Deutschland.

 Jonathan_UkenaJonathan Ukena, Leiter Big Data Privacy Services

„Das Interesse an Lösungen zur Anonymisierung von personenbezogenen Daten steigt nun auch in anderen Branchen, die gerade erst damit anfangen, große Datenbestände nutzbar zu machen. Die Automotive-Branche würde zum Beispiel gerne Datensilos aufbrechen, um neue Erkenntnisse in Forschung und Entwicklung einfließen zu lassen“, erklärt Jonathan Ukena. Als Leiter für Big Data Privacy Services setzte er den Aufbau der Data Anonymization Platform bei Telefónica NEXT um.

Connected Car bietet neue Ansatzpunkte für anonymisierte Analysen

Im Connected Car von heute entstehen vielfältige Daten. Bislang ist es aber kaum möglich, sie flächendeckend auszuwerten. Da die Informationen aus dem Auto leicht einer Person zugeordnet werden können, gilt in der Regel die DSGVO für die so anfallenden Daten.

Die Anonymisierung von Fahrzeugdaten liefert hier einen Weg, an die gewünschte Information zu kommen, ohne dabei die Privatsphäre der Nutzer zu beinträchtigen. „Mit unserer Erfahrung auf dem Gebiet der Anonymisierung sind wir zurzeit ein sehr gefragter Gesprächspartner. Daher sind wir dabei, die Plattform für Unternehmen mit ähnlich komplexen Herausforderungen zu öffnen“, sagt Jonathan Ukena.

Österreichische Behörde stärkt Daten-Anonymisierung

Auch Versicherungen beginnen, sich mit dem Thema Anonymisierung zu beschäftigen. Vor kurzem wurde die österreichische Datenschutzbehörde in einem solchen Fall angerufen. Ein Versicherungskunde hatte in Ausübung seiner Betroffenenrechte die Löschung seiner Daten gefordert. Die Versicherung hatte ihm mitgeteilt, die Daten seien irreversibel anonymisiert worden, so dass kein Personenbezug zum Nutzer mehr herstellbar sei. Auf seine Beschwerde hin beschied die österreichische Behörde, dass die Anonymisierung der Daten ausreichend sei, um das Recht auf Löschung umzusetzen – sofern tatsächlich eine Anonymisierung im Sinne des Erwägungsgrundes 26 der DSGVO vorliegt.

„Konkret stärkt diese Entscheidung weiter die Anonymisierung personenbezogener Daten, die als Alternative zur Löschung in Betracht kommt“, erklärt Timo Wilken, Data Protection Officer bei Telefónica NEXT. Anonyme und anonymisierte Daten sind für viele analytische Fragestellungen auch gut einsetzbar – nämlich immer dann, wenn es nicht um das Verhalten Einzelner, sondern großer Gruppen geht, und kein Personenbezug für die Analyse notwendig ist. 

tw_1Timo Wilken ist Data Protection Cousel bei Telefónica NEXT

In der Automotive-Branche eröffnen solche Daten beispielsweise für den Bereich Forschung und Entwicklung völlig neue Möglichkeiten. So können die Analysen dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte langfristig zu erhalten.

Nachfrage nach datenschutzfreundlichen Analysen steigt

„Aus unserer Sicht wirkt die DSGVO im Feld der Datenanalyse bereits sehr positiv. Das Schutzniveau für Einzelpersonen bleibt hoch, während nun auch zunehmend datenschutzfreundliche Analysen anonymer Daten nachgefragt werden“, so Wilken.