Jedes Jahr vom 9. bis 17. Mai feiert Girona die „Temps de Flors“, eines der beliebtesten Blumenfestivals Europas. Zehn Tage lang erwachen die Straßen der Stadt zum Leben – musikalisch, farbenfroh und mit dem Duft exotischer Blumen. In dieser Zeit strömen Tausende Besucher in die Stadt, um den Charme dieses einzigartigen katalanischen Festivals vor der Kulisse einer der berühmtesten Drehorte der Fernsehserie „Game of Thrones“  zu genießen.

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Abbildung 1: Big Data für den Tourismus - wie kam Girona zu seinem datengestützten Konzept?

Zwei Jahre nacheinander haben unsere spanischen Kollegen von LUCA mit der Stadtverwaltung von Girona zusammengearbeitet, um den Organisatoren dabei zu helfen, ein stärker datengestütztes Konzept für dieses touristische Event zu entwickeln und damit sicherzustellen, dass das Festival so erfolgreich wird wie möglich. Eines der Produkte von LUCA (äquivalent zu unseren Lösungen im Bereich Transport Analytics von Telefónica NEXT) analysiert das Massenverhalten, indem es Mobilfunk­datenereignisse zusammenführt und anonymisiert. Das Ergebnis sind praktisch umsetzbare Erkenntnisse für Entscheidungsträger der öffentlichen Hand in Bereichen wie Mobilität, Infrastrukturplanung oder wie in diesem Fall Tourismus.

Big Data im Tourismus

Unsere Studie hat es der Stadt Girona ermöglicht, zu einem Pionier in Sachen Big-Data-Analyse auf touristischem Gebiet zu werden: Sie analysiert Millionen von Mobilfunkdatenereignissen pro Tag, um zu erfahren, wie sich die Touristen verhalten, wo sie herkommen und wie lange sie bleiben. Das in Spanien angewandte Analyseverfahren wägt kontinuierlich zwischen Sicherheit und Datenschutz ab und wendet einen soliden Anonymisierungs- und Aggregationsprozess an, um den Fokus auf die Bewegungen von Menschengruppen statt auf diejenigen einzelner Touristen zu richten, damit Muster und Trends erkennbar werden. In Deutschland wird dafür die Data Anonymization Platform von Telefónica NEXT eingesetzt - dieses TÜV-zertifizierte Verfahren wurde bereits in der Entwicklung von der Beauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit begleitet. Im Anschluss an die Auswertungen wurden Hochrechnungen durchgeführt, die sicherstellen, dass inländische und ausländische Touristen jeweils korrekt repräsentiert sind.

 Mit Hilfe der wichtigsten Erkenntnisse hieraus konnten wir schätzen, dass während des Festivals insgesamt 244.199 Menschen die Stadt Girona besucht haben. 90 Prozent dieser Besucher kamen aus Katalonien, 2 Prozent aus dem übrigen Spanien und 8 Prozent aus anderen Ländern.

92 Prozent Besucher aus dem Inland

Außerdem konnten wir herausfinden, dass von den 92 Prozent spanischen Besuchern 60 Prozent aus Regionen der Provinz Girona, 35 Prozent aus Barcelona, 2 Prozent aus Tarragona und 1 Prozent aus Lleida kamen.

Zudem hat die Studie gezeigt, dass es bei der Geschlechts- und Altersverteilung keine Unterschiede zwischen den Regionen gab – mit Ausnahme der Besucher aus Girona, die insgesamt etwas jünger waren als diejenigen aus anderen Regionen Kataloniens.

Schließlich hat die Analyse auch ergeben, dass 18.881 Besucher von außerhalb Spaniens kamen – 82 Prozent davon aus neun Ländern: aus Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien, Polen, Russland und den USA. Unter diesen Gästen waren die Franzosen mit 45 Prozent am häufigsten vertreten.

Alternative zu Befragungen

Noch vor ein paar Jahren war die einzige Möglichkeit, solche Daten zu erhalten, herkömmliche Besucherbefragungen durchzuführen. Doch dank Big Data ist es heute möglich, tiefgreifende und datenschutzkonforme Analysen der Bewegungen und Verhaltensweisen großer Menschengruppen vorzunehmen. Die sich daraus ergebenden touristischen Erkenntnisse sind für öffentliche wie private Entscheidungsträger gleichermaßen wertvoll, da diese so ihr Angebot entsprechend anpassen können, um Touristen ein noch besseres Erlebnis zu ermöglichen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog "Data Speaks" unserer spanischen Kollegen bei LUCA.