31990633598_84c162b330_zBVDW-Geschäftsführer Marco Junk eröffnet den Abend | Foto: Henrik Andree

Künstliche Intelligenz (KI) bringt die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft voran. Die Algorithmen erfassen Daten, steuern Maschinen und machen manchmal sogar Meinung. Mit ihrer modernen Kombination aus Big Data, wachsender Rechenleistung und riesigem Speicherplatz dringen sie in immer mehr Lebensbereiche vor. Darüber debattierten am 12. November bekannte Experten aus Politik und Wirtschaft bei der Data Night von Telefónica NEXT in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) im Telefónica BASECAMP.

31990635798_117bfdaa4f_zTelefónica NEXT CEO Dr. Nicolaus Gollwitzer begrüßt die Gäste und stellt klar, dass Datenschutz und Datenhoheit auch im Kontext der künstlichen Intelligenz unverzichtbar sind | Foto: Henrik Andree

Wie können Wirtschaft und Politik mit KI verantwortungsvoll umgehen? Und wie lässt sich unser bisheriges Verständnis von Ethik auf das digitale Zeitalter übertragen? Diese Fragen stellten Nicolaus Gollwitzer, CEO von Telefónica NEXT, und der BVDW-Geschäftsführer Marco Junk schon bei der Eröffnung des Abends in ihren Grußworten. Gollwitzer betonte, dass der Einsatz von KI den Menschen Vorteile bringen muss. Nicht alles, was technisch machbar sei, sei auch sinnvoll - vor allem unter ethischen Gesichtspunkten.

44948694705_c9b526b35f_zKarl-Heinz Land, Digitaler Darwinist und Evangelist. | Foto: Henrik Andree

Für Karl-Heinz Land steht sogar fest, dass sich eigentlich alle Probleme der Menschheit durch digitale Technik lösen lassen. “Der technologische Fortschritt wird nur durch unsere Vorstellungskraft und unseren Willen begrenzt”, sagte der Autor, Evangelist und selbst ernannte “digitale Darwinist“ bei seiner Keynote im Telefónica BASECAMP. Für ihn besteht jetzt die Chance, die exponentielle Leistungszunahme der IT und den unterschätzten Megatrend der “Dematerialisierung“ für eine zukunftssichere Welt zu nutzen. Deshalb forderte er bei der Data Night dazu auf, mit Hilfe von KI eine ökosoziale Wirtschaft für eine gerechtere Welt aufzubauen.

 45861780261_73b74736b6_zWerner Ederer teilte Erkenntnisse aus seiner langjährigen Laufbahn bei IBM | Foto: Henrik Andree

Datenschutz: Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

Doch ein entscheidender Faktor ist der Datenschutz, der vor allem für Firmen immer wichtiger wird. “Es wird für große Unternehmen ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor sein, ganzheitliche und seriöse Lösungen zum Thema Datenschutz anzubieten”, erklärte Werner Ederer, Program Director Watson & Cloud Platform Development Lab Germany bei IBM, in seinem Impulsvortrag. Der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten sei weiterhin eine der größten Herausforderungen der Digitalisierung.

 44045153480_e85a10e50b_zCarla Hustedt: "45 Prozent der Deutschen wissen nicht, was Algorithmen überhaupt sind." Foto: Henrik Andree

Das zeigten auch die nachfolgenden Präsentationen von Jonathan Ukena, Leiter Big Data Privacy Services bei Telefónica NEXT, sowie Carla Hustedt, Projektmanagerin für Ethik der Algorithmen bei der Bertelsmann-Stiftung. Telefónica NEXT hat dafür eine eigene Lösung entwickelt: die Data Anonymization Platform (DAP), die jetzt auch andere Unternehmen für die Anonymisierung ihrer Daten nutzen können.

44948672215_4a9176a754_zJonathan Ukena, Leiter Big Data Privacy Services bei Telefónica NEXT. | Foto: Henrik Andree

“Wir haben mit der Plattform gezeigt, dass konsequenter Datenschutz mit den sehr hohen Standards der DSGVO und wertvolle analytische Anwendungen kein Widerspruch sind”, erklärte Jonathan Ukena. “Wir sind davon überzeugt, dass Analysen anonymer Daten verschiedener Branchen auch ein Vorteil für den Wirtschaftsstandort Europa werden können.”

Die Data Night 2018 in der Videozusammenfassung

Künstliche Intelligenz: Ethischer Umgang mit Daten nötig

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich Dr. Matthias Flügge, Leiter des Geschäftsbereichs Digital Public Services beim Fraunhofer-Institut FOKUS, der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh und der Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar von Bündnis 90/Grüne den Fragen von Michael Neuber, Leiter Politik und Recht des BVDW. Gelbhaar kritisierte dabei die Bundesregierung, weil sie zu wenig vorausschauend agiere. Der Stellenwert von Zukunftsthemen, die beispielsweise die Stiftung Datenschutz seit Jahren behandelt, werde nicht erkannt und die datenschutzkonforme Entwicklung von KI damit behindert.

45861777031_b02135d06f_zIn den Branchen Gesundheit, Transport und Handel sehen die Besucher der Data Night besonderes Potenzialfür den Einsatz anonymer Daten | Foto: Henrik Andree

Dabei wird die neue Technik schon an vielen Stellen eingesetzt: von der Städteplanung bis zum Predictive Policing, sagten Hustedt und Flügge. Das Publikum im Telefónica BASECAMP sah besonders viel Potential für den Einsatz von KI im Gesundheits- oder Transportwesen, das zeigten die Echtzeit-Umfragen während der Data Night, an denen die Besucher sich mit ihren Smartphones beteiligen konnten.

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Die Abgeordneten Helge Lindh (links, SPD), und Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/Grüne) brachten politische Standpunkte in die Diskussion ein | Foto: Henrik Andree

 

KI für das Gemeinwohl einsetzen

“Wir müssen unsere Investitionspolitik danach ausrichten, welche Vorstellung wir von der Zukunft unserer Gesellschaft haben“, erklärte der SPD-Abgeordnete Helge Lindh. Alle Teilnehmer der Debatte waren sich einig, dass Politik und Wirtschaft noch mehr über den ethischen Umgang mit Daten nachdenken müssen. Es sei höchste Zeit für die Entwicklung von datenschutzkonformen Regeln beim Umgang mit Algorithmen. Nur so könne die künstliche Intelligenz dem Gemeinwohl unserer Gesellschaft dienen, sagte Carla Hustedt von der Bertelsmann-Stiftung zum Abschluss.

Weitere Fotos der Data Night sind auf Flickr verfügbar.

Headerbild: Henrik Andree