Der stationäre Handel ist heute in der Lage, Frequenzen und Besucherverhalten im Geschäft viel genauer zu verstehen als vor einigen Jahren. So holen Händler in den Innenstädten langsam ihren Rückstand gegenüber dem Onlinehandel auf, der schon längst über große Datenbestände aus der Websitenutzung verfügt. Doch welche Art von Daten sollte der stationäre Handel überhaupt erheben und welche Vorteile lassen sich damit erzielen?

Datenanalyse für stationäre Händler

Um die vielen Fragen rund um den Einsatz von Big Data im Handel zu beantworten, haben wir Prof. Gerrit Heinemann um ein Experteninterview gebeten. Er leitet das eWeb Research Center an der Hochschule NiederrheinDer Forschungsschwerpunkt des eWeb Research Centers liegt in der empirischen Sozialforschung zur Analyse des onlineinduzierten Kaufverhaltens. Dabei geht das Kompetenzzentrum der Frage nach, welche Auswirkung das veränderte Käuferverhalten auf den Handel hat und wie Händler im Rahmen einer Omni-Channel-Strategie darauf reagieren können.

Das Kaufverhalten der Deutschen wird unterdes immer digitaler: Jeden achten Euro Handelsumsatz gaben die Deutschen 2018 bereits im Internet aus. Der Onlinehandel wuchs nach Zahlen des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) erneut zweistellig um 11,4 Prozent. Umso mehr Grund für Händler, auch die Filialen optimal auf die Bedürfnisse der Nutzer vor Ort anzupassen.

1. Warum sollte ein stationärer Händler Besucherverhalten messen?

"Besucherzahlen sind nicht alles, aber ohne Frequenz ist alles nichts", weiß Retail-Experte Prof. Heinemann.

Experteninterview_Prof-Heinemann_Frage 1

 

2. Welchen Vorteil kann ein Händler mit Hilfe von Daten und Technologie erzielen?

Frequenz im Geschäft zu messen ist recht einfach - doch wie sieht es mit der Frequenz im Umkreis aus, wie entwickelt sich das Kundenpotenzial im Bezirk oder in der Stadt insgesamt? "Heute gibt es die Möglichkeit, Besucherströme innerhalb der gesamten Stadt zu verstehen und sich daran auszurichten", so Prof. Heinemann.

Experteninterview_Prof-Heinemann_Vorteil_Daten_Technologie_Handel_Frage 2

 

3. Was sind die wichtigsten Key Performance Indicators (KPIs) für stationäre Händler auf der Ladenfläche?

"Usability im Laden muss es nicht nur im Onlineshop geben", erklärt Prof. Heinemann. Indem Händler typische Messgrößen wie die Aufenthaltsdauer auf einzelne Zonen im Geschäft herunterbrechen, können sie ihr Angebot besser auf die Bedürfnisse des Publikums vor Ort ausrichten.

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Der zweite Teil der Serie "Datenanalyse im Handel - der Kampf um digitale Talente" ist nun verfügbar. Darin geht es um Handelssegmente, die durch den Onlinehandel verstärkt unter Druck geraten und wie sich der Handel im "War for Talents" behaupten kann.