Die Transparenz der Datenverwendung ist für den Patienten der wesentliche Treiber zu Akzeptanz digitaler Services im Gesundheitswesen.

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Vernetzte Gesundheit – das klingt erst einmal sehr theoretisch. Doch schon heute kann Digitalisierung helfen, unser Leben zu verbessern und unsere Gesundheit zu schützen. Smartphones messen, wie viele Schritte wir gehen, viele von uns haben Fitnessarmbänder, die gleichzeitig unseren Puls messen. Für das iPhone gibt es Blutzucker- Messgeräte und ein großer Sanitärhersteller hat vor Kurzem ein WC vorgestellt, das automatisch die Urinwerte kontrolliert – alles voll digital und vernetzt.

Vernetzte Geräte können unser Leben besser machen

Und das ist erst der Anfang. Denken Sie an die Möglichkeiten für unser gesamtes Gesundheitssystem. An Landärzte, denen Remote-Diagnostik künftig eine bessere und individuelle Versorgung ihrer Patienten ermöglicht. Oder Ersthelfer, die im Notfall schnell auf alle Patientendaten zugreifen. Die Chancen einer vernetzten Medizin sind enorm. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft uns einigen, wie wir mit der Verantwortung für diese besonders sensiblen Daten umgehen wollen – das ist die Herausforderung, vor der wir heute stehen.

Der höchstmögliche Schutz und die Sicherheit der anvertrauten Daten müssen gewährt sein. Die Cyber-Attacken im Mai 2017 haben jedoch eindrücklich gezeigt, wie schwer dieser Schutz ist. Die daraus neu entflammte Debatte ist wichtig und zu Recht werden höhere Standards – beispielsweise durch sicherere Server in Deutschland – eingefordert. Gleichzeitig sehe ich nicht zuletzt durch diese Angriffe auch den Beweis erbracht, dass es einen absoluten Schutz nicht geben kann. 

Geteilte Daten müssen den Menschen nützen

Darf das aber ein Argument sein, die weitere Nutzung und Verbreitung von datenbasierten Anwendungen im Gesundheitswesen zu verbieten? Ich meine eindeutig: Nein. Die Chancen überwiegen die Risiken. Und noch viel wichtiger, die Realität sieht bereits anders aus. Die Nutzung von digitalen Gesundheitsdiensten ist für viele Menschen Alltag. Bereits heute generieren sehr viele Menschen Daten und teilen sie freiwillig mit privaten und institutionellen Anbietern. Nicht, weil es ihnen jemand vorschreibt, sondern weil sie einen Nutzen darin sehen. Hier müssen wir ansetzen.

Damit alle von den neuen Services profitieren, müssen Anbieter transparenter werden. Dabei geht es nicht allein um Datensicherheit. Nutzer, die Daten erzeugen, müssen darüber informiert werden, welches Unternehmen auf welche Daten zugreift, welche Geräte welche Daten generieren, und sie müssen entscheiden können, wer diese Daten wie nutzt. Ultimativ geht es immer um die Frage: Was habe ich als Patient oder Kunde davon? Wenn wir als Anbieter von Services diese Frage positiv beantworten, können wir mit und für unsere Kunden Services für ein längeres und gesünderes Leben schnell in den Markt bringen.

IoT-Anwendungen unterstützen Senioren 

Ein Beispiel ist „Ambient Assisted Living“, ein Ökosystem zur Unterstützung der häuslichen Pflege. Durch digitale Lösungen leben ältere Menschen länger unabhängig in ihrem eigenen Zuhause. Dazu gehören Notfall-Buttons, die registrieren, wann der Bewohner das Haus verlässt, und mittels Smart-Home-Anwendung direkt prüfen, ob beispielsweise die Herdplatte noch an ist. Oder vernetzte Pillen-Reminder, die passend zur Medikamenteneinnahme durch die Verbindung zum Kühlschrank prüfen, ob der Patient genügend gegessen und getrunken hat. So werden neben Angehörigen, Pflegepersonal und Nachbarn auch Sensoren und digitale Geräte zum Alltagshelfer.

Meine Erfahrung ist: Wir müssen nicht auf komplizierte Partnerschaften von Krankenkassen, Kommunen und Versicherungen warten. Bieten Angebote Menschen einen echten Mehrwert, werden sie angenommen. Ältere Menschen sind technikaffiner, als wir denken. Gleichzeitig haben sie meist eine technikaffine Generation der Kinder und Bekannten zur Seite, die ihnen dabei helfen, länger selbstständig zu Hause zu leben.

Wir brauchen Partnerschaften und offene Standards

Jetzt gilt es, Anbieter der Gesundheitsindustrie zum Umdenken zu bewegen. Partnerschaften und offene Standards müssen zum Leitbild werden, ebenso wie unser Datenverständnis. Nutzerdaten gehören nicht den Unternehmen. Es sind und bleiben immer die Daten der Menschen, die sie generieren. Wenn wir als Unternehmen diese nutzen wollen, müssen wir einen herausragenden Service mit echtem Nutzen bieten.

Dieser Beitrag wurde zuerst im Sammelband "Die Zukunft der Datengesellschaft" veröffentlicht. Die Publikation aus dem Verlag Der Tagesspiegel mit Initiating Partner Telefónica Deutschland fasst Beiträge der Veranstaltungsserie „Data Debates“ im Telefónica BASECAMP zusammen.

Tagesspiegel Data Debates diskutiert Auswirkungen der Digitalisierung auf gesellschaftliche Grundlagen wie Freiheit und Privatsphäre, Wandel des Wertesystems und digitaler Souveränität sowie auf konkrete Lebensbereiche wie Bildung und Arbeit, Gesundheit und Mobilität. Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Kultur debattieren über das Potential des Datenschatzes und die Anforderungen an den Datenschutz.