Die Abkürzung “MVP” (most valuable player) kann in den USA für die wertvollste Sportlerin oder den wertvollsten Sportler in Sportarten wie Basketball, Hockey oder Football stehen. Auch der Fußball hat die Bezeichnung in Teilen übernommen, zum Beispiel in der Champions League.

Gerrit Seidel ist Product Owner für die Geeny IoT-Plattform bei Telefónica NEXT

Gerrit Seidel ist Product Owner für die Geeny IoT-Plattform bei Telefónica NEXT

Das “Minimum viable product”

Während “most valuable player” sich in der Beurteilung immer auf die Vergangenheit bezieht, ist die Abkürzung MVP in der Produktentwicklung zukunftsgerichtet. MVP steht für „Minimum viable product“. Das MVP ist gleichzeitig ein Werkzeug und ein Management-Prozess, der fortlaufend Annahmen der Entwickler über die Bedürfnisse der Zielgruppe überprüft. Dabei werden diese Annahmen entweder bestätigt oder entkräftet. In der IoT-Entwicklung kann dieser Prozess helfen, Unsicherheiten und Risiken durch validierte Ergebnisse zu reduzieren. Die vorhandenen Ressourcen können besser ausgenutzt werden, weil sie auf einen erprobten Ansatz verwendet werden.

In seinem bekannten Buch “The Lean Start-up” hat Eric Ries das Konzept des MVP eingeführt. Dabei soll das Start-up zunächst eine sehr schlanke Produktversion bauen, testen und die Ergebnisse direkt in die Weiterentwicklung einfließen lassen („build – measure – learn“), um so möglichst schnell zu tragfähigen Grundlagen der Produktentwicklung zu kommen.

Zu Beginn des Entwicklungsprozesses steht oft eine große, fast unerfüllbar scheinende Vision des fertigen Produkts. Eine Entwicklung der Vision auf diesem Level erfordert einen beträchtlichen Aufwand an Zeit und Ressourcen. Hier sollten wir nicht der Versuchung erliegen, das „perfekte Produkt“ entwickeln zu wollen. Ein „möglicherweise wertvolles Produkt“ kann ein gutes Mittel sein, um Kreativität und innovative Ideen im Team auf dem Weg dorthin zu kanalisieren – und vor allem, um die Frage zu beantworten, ob das Produkt überhaupt entwickelt werden sollte.

Von der Idee zum Geschäftsmodell - Start-up-Entwicklung

Testen und lernen

Ein erfolgreiches Experiment beginnt mit einer Hypothese und dem kleinstmöglichen Produktbestandteil, der einen Test genau dieser Annahme erlaubt. Das bedeutet: Ein erstes MVP bauen, direkt in die Hände von Kunden oder Testpersonen geben und sicherstellen, dass die Idee in die richtige Richtung geht. Es hat noch nicht geklappt wie erhofft? Auf in die nächste Iteration.

Experimentierfreude ist unverzichtbar und sollte auf jeder Stufe des Entwicklungsprozesses dabei sein. Für jedes neue Feature, jeden Prozess und jeden anderen Bestandteil, den das Team zum Produkt hinzufügen möchte.

Geeny bietet eine offene Consumer IoT Platform

In der Entwicklung unserer IoT-Plattform Geeny setzen wir auf ein offenes Ökosystem für Endkonsumentenprodukte, das auf der Kooperation von Hardwareherstellern, App-Entwicklern und Unternehmen fußt. Die Nutzer sollen ihre IoT-Geräte mit unterschiedlichen Anwendungen und Services benutzen und dabei entscheiden können, wie ihre Daten verwendet werden.

Wie jede Vision begann auch diese mit einem ersten Schritt. In unserem Fall starteten wir mit Gesprächen mit unterschiedlichen Partnern aus dem IoT-Ökosystem – darunter internationale Hardware-Hersteller, Consumer-IoT-Marken, Entwickler, Serviceanbieter, Agenturen und viele andere. Positives und konstruktives Feedback aus diesen Gesprächen gab uns schon früh das Selbstvertrauen, dass die Idee für den Markt wertvoll ist.

Von der Vision zum Produkt

Im nächsten Schritt haben wir unsere Vision in kleinere Fragmente untergliedert, um daraus MVPs zu bauen. Mit jedem maßgeschneiderten MVP war unser Ziel, einen kleinen Ausschnitt des Endprodukts abzubilden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind zwei unserer MVPs live – das MVP für Entwickler und das MVP für Service-Provider.

Das MVP für Anwendungen und Services veranschaulicht die Möglichkeiten für eine spezielle Datengattung einer beliebten Marke für Konsumenten-IoT-Produkte. Es ist eine Offline-Simulation, die zeigt, wie das fertige Produkt mit verschiedenen Datenquellen umgehen wird und wie Entwickler darauf aufbauend Anwendungen programmieren können. So müssen Anwender keine eigene Plattform bauen, testen, designen und verteilen und spezielle Hardware vorhalten, sondern können einfach etwas verwenden, das schon verfügbar ist. Sobald Dritte mit einem MVP arbeiten sollen, ist es deshalb sinnvoll, einen Starterguide, eine Beispielanwendung und eine umfassende Dokumentation zur Verfügung zu stellen, was wir in diesem Fall getan haben.

Services vernetzt verbessern

Wir glauben, dass viele Unternehmen ihre Produkte für die Anwender deutlich interessanter machen können, wenn sie datenbasierte Services sinnvoll einbinden. Einer der am weitesten entwickelten Bereiche für Consumer-IoT ist derzeit der Gesundheits- und Fitnessbereich. Viele Unternehmen mit Activitytrackern und aus dem Sportsegment beginnen sich zu öffnen und nach Unterstützung in der Nutzung ihrer Daten zu suchen.

Andere Firmen finden derzeit intelligente Möglichkeiten, IoT-Daten besser zu kontextualisieren und zu nutzen. Zum Beispiel könnte eine App für Ernährungspläne die Angabe über verbrannte Kalorien vom Fitnesstracker nutzen, um die täglichen Ziele für aufgenommene Kalorien präzise anzupassen. Dieses eine Beispiel zeigt bereits die unzähligen Möglichkeiten, Anwendungen smart zu kombinieren und bestehende Services für ihre Nutzer sinnvoll zu verbessern.

Hier haben wir mit unserem MVP angesetzt, um diese Möglichkeiten zu erproben: Wie bereits erwähnt, lassen sich Informationen von Fitnesstrackern auch für andere Zusammenhänge nutzen und können anderen Unternehmen helfen, ihre Angebote zu verbessern. Zum Beispiel kann ein Online-Fitnessstudio sehen, ob ein Nutzer nur die Anleitungen gelesen oder tatsächlich die Sportübung gemacht hat. Lokale Fitnesstudios, Gesundheits- und Ernährungscoaches sind einige weitere, die davon profitieren könnten. Wichtig ist dabei insbesondere auch, dass Endkunden die Kontrolle über ihre Daten behalten.

Unsere Erfahrungen mit MVPs haben uns bereits viele wertvolle Erkenntnisse beschert. Wir möchten, dass dies so bleibt und freuen uns jederzeit über Feedback, Fragen und Wünsche. Weitere Informationen über Geeny und SDKs für Entwickler stehen zur Verfügung.

Dieser Artikel erschien zuerst als Beitrag im Fachblog "Industry of Things" von Vogel Business Media.