Über zwei Millionen Reisende waren laut Bundesregierung von den schweren Sturmtiefs Xavier und Herwart betroffen, die im Oktober über Deutschland zogen. Als aktuelle Fallstudie haben wir deshalb gemeinsam mit unserem Analysepartner Teralytics die Auswirkungen der beiden großen Herbststürme Xavier und Herwart aus dem Oktober 2017 auf den Reiseverkehr miteinander verglichen.

Im normalen Geschäftsbetrieb von Telefónica Deutschland entstehen im Mobilfunknetz mit über 48 Millionen mobilen Kundenanschlüssen täglich über 5 Milliarden Events. Auf Basis dieser Daten kann Telefónica NEXT PLZ-genaue und flexible Bewegungsströme und Verkehrsdaten berechnen. Vom TÜV Saarland zertifizierte Datenschutz-Maßnahmen stellen dabei die Anonymisierung der verarbeiteten Daten sicher.

Mithilfe dieser Daten haben wir in einer Verkehrsanalyse die Auswirkungen der beiden Stürme auf die deutschlandweiten Reisebeziehungen untersucht. Dabei haben wir Fernreisen (ab 100 Kilometer) an den Sturmtagen mit den gleichen Wochentagen bei ruhigem Wetter eine Woche später bzw. früher verglichen.

Viel Windbruch Anfang Oktober

Das Sturmtief Xavier zog zwischen dem 4. und 6. Oktober über den Nordwesten Deutschlands in Richtung Osten und sorgte mit seinen Spitzengeschwindigkeiten von fast 180 Stundenkilometern  vielerorts für Chaos. Erschwerend kam hinzu, dass die noch belaubten Bäume dem Wind mehr Angriffsfläche boten und deshalb vielerorts Bäume umstürzten und Äste abrissen.

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Abbildung 1: Mit Mobilfunkdaten modellierter Schienen-Fernverkehr am sturmfreien 12.10.2017 und am 5.10. während Sturm Xavier. Der Vergleich zeigt die Orange dargestellte Abnahme des Reiseverkehrs im Vergleich.

Unsere Analyse konzentriert sich für Xavier auf die Tage des 5. und 6. Oktober, die direkt mit den Daten der ruhigen Folgewoche verglichen wurden. Während sich bei der Visualisierung des regulären Verkehrs die bekannte C-förmige Verteilung des Verkehrs in Deutschland ergibt (Abb. 1 links), lässt sich an den Sturmtagen ein Einbruch der Reisen im gesamten nördlichen und nordöstlichen Bereich Deutschlands erkennen (Abb. 1 Mitte). In Abbildung 1 rechts ist diese Differenz nochmals visualisiert, wobei orange Pfeile einen Rückgang und blaue Pfeile eine Zunahme an Reisen darstellen.

Xavier trifft Berlin und Hamburg heftig

Die beiden Metropolen Hamburg und Berlin waren vor allem am 6. Oktober besonders stark von den Sturmschäden betroffen. Allein von und nach Berlin zeigen die Mobilfunkanalysen an diesem Tag dramatisch weniger Zug-Fernreisen als am Vergleichstag eine Woche später. Kein Wunder: Die Bahntrasse Hamburg – Berlin war an diesem Tag nach 9 Uhr morgens nicht mehr befahrbar. Dieser Ausfall spiegelt sich auch in den Mobilfunkdaten wider – das normale Reiseniveau fällt in diesem Zeitraum von 100 auf null Prozent.

Ähnlich folgenschwer verlief mit Herwart auch der zweite Herbststurm im Oktober, der am 29. Oktober über große Teile Nord- und Ostdeutschlands hinwegfegte und dabei in den Spitzen noch höhere Windgeschwindigkeiten wie Xavier erreichte. Obwohl die Ausfallzeiten kürzer als bei Xavier lagen, war der analysierte Sturm-Sonntag der am stärksten betroffene Reisetag im Oktober mit ca. 210.000 weniger Fernreisen auf der Schiene als in der vorherigen Woche.

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Zahlreiche Reisen Richtung Berlin, Hannover und Hamburg enden am  5.10.
durch Xavier bereits in Nordhessen. Die Abnahme des Verkehrs Richtung Norden ist Orange dargestellt.

Endstation in Nordhessen

Dank unserer Daten konnten die Regionen ermittelt werden, in denen besonders viele Reisende strandeten. So war beim Sturmtief Xavier vor allem die Gegend rund um Kassel und Fulda die vorläufige Endstation zahlreicher Reisender. Allein aus dem süddeutschen Raum strandeten mehrere Hundert Personen in Kassel. Diese setzten ihre Reisen dann oftmals mit dem Auto fort – es wurden ca. 15 Prozent mehr Straßenreisen von Nordhessen nach Niedersachsen verzeichnet als am Vergleichstag.

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Abnahme der Auto-Fernreisen am 29.10.2017 (Herwart)
gegenüber dem 22.10. Die Abnahme ist in Orange dargestellt.

Autofahrer reagieren vorausschauend auf Herwart

Ein deutlicher Einfluss auf den Straßenverkehr lässt sich auch bei Sturmtief Herwart erkennen. Während in den Vormittagsstunden ca. 15 Prozent mehr Personen ihre Reise starteten als am Vor-Sonntag, waren ab 14 Uhr wiederum 15 Prozent weniger auf den deutschen Autobahnen unterwegs.  Dies deutet darauf hin, dass diese Reisenden den heraufziehenden Sturm in ihrer Reiseplanung vorausschauend berücksichtigt hatten und entsprechend früher losgefahren waren.

Wie die Auswertungen zeigen, eigenen sich Mobilfunkdaten besonders gut dafür, die Auswirkungen von besonderen Ereignissen auf den Verkehr zu verstehen. Dies funktioniert auch rückwirkend gut, weil die Datengrundlage für den regulären Netzbetrieb von Telefónica Deutschland  erforderlich ist und deshalb durchlaufend erhoben wird.

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Xavier vs. Herwart – wer traf den Verkehr stärker?

Im Vergleich der beiden Stürme zeigt sich, dass Herwart an sich der heftigere Sturm war. Wie Informationen des Deutschen Wetterdiensts belegen, war sein Einzugsgebiet größer als das von Xavier und es wurden an zahlreichen Orten höhere Windgeschwindigkeiten erreicht, häufig auch schwere Sturm- und Orkanböen der Windstärke 10 bis 12.

Insgesamt zeigen die Daten, dass die Behinderungen durch Herwart im bundesweiten Verkehr von kürzerer Dauer waren als bei Xavier. Während bei Xavier Schwierigkeiten durch Windbruch und langwierige Aufräumarbeiten entstanden, ist bei Herwart auch von positiven Wirkungen durch Lerneffekte auszugehen - wie z.B. den mehreren Tausend Autofahrern, die ihre Fahrt auf den Sonntagmorgen vor Sturm Herwart vorzogen.

Die Auswirkungen der beiden Stürme sind in den anonymisierten Mobilfunkdaten gut nachvollziehbar. Ähnliche Analysen bieten sich für die Verkehrsplanung an, um nicht wetterbedingte Sonderereignisse, zum Beispiel die Auswirkungen von Fußballspielen oder Volksfesten, zu untersuchen.

 Erfahren Sie mehr über die Anwendungsgebiete von Datenanalysen im Verkehr.