Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog "Data Speaks" der globalen Telefónica Big Data Unit LUCA.

„Ein Problem wird die Konturen dieses Jahrhunderts grundlegender prägen als jedes andere, und das ist die akute und wachsende Bedrohung eines sich wandelnden Klimas“ - so formuliert der ehemalige US-Präsident Barack Obama seine Haltung zum Klimawandel.

Bei Telefónica glauben wir, dass Big Data eine positive Kraft für das gesellschaftliche Wohl im Hinblick auf wichtige Probleme wie den Klimawandel sein kann. Deshalb ist Telefónica mit zahlreichen anderen Mobilfunkanbietern Teil der GSMA-Initiative "Big Data for Social Good".

Da dieses Thema so dringlich ist, muss hier klar und entschieden gehandelt werden. Jedoch können die zu ergreifenden Maßnahmen nur so gut sein wie die Informationen, die wir über die Situation tatsächlich haben. Und hier kommt Big Data ins Spiel. 

Erkenntnisse über Klimawandel-bedingte Migration

Enrique Frías, einer der leitenden Forscher im Forschungs- und Entwicklungsteam von Telefónica und LUCA, arbeitet derzeit gemeinsam mit einem Team daran herauszufinden, wie mit Big Data besonders die Probleme der durch den Klimawandel bedingten Migration angegangen werden können. Das Team führte eine Vorstudie in Kolumbien durch, um festzustellen, wie Mobilfunkdaten dabei helfen können, Bewegungsmuster zu kartographieren und weitere Erkenntnisse über Menschen zu erhalten, die aufgrund von klimawandelbedingten Problemen gezwungen sind zu migrieren. 

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Umweltmigration ist kein neues Phänomen. Sie ist fast immer nach Naturkatastrophen wie Hurrikanen oder Tsunamis zu beobachten. Allerdings weisen die Volatilität und der Schweregrad solcher Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels eine steigende Tendenz auf. Dies hat zur Folge, dass immer häufiger Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, und dies für immer längere Zeiträume – wenn sie überhaupt jemals wieder zurückkehren können.

Vertreibung durch Wetterkapriolen

Das International Displacement Monitoring Centre (IDMC), eine beobachtende Organisation mit Sitz in Genf, die Vertreibungen auf der ganzen Welt verfolgt, hat herausgefunden, dass die Zahl der Klimamigranten zunimmt. Aus ihren Schätzungen für 2015 ging hervor, dass allein in jenem Jahr 19,3 Millionen Menschen aufgrund von Wetterereignissen vertrieben worden sind. Darin sind die  Menschen, die in den Vorjahren aus besagten Gründen ihre Heimat verlassen mussten und noch nicht wieder zurückkehren konnten, nicht enthalten. Aus den Daten, die seit 2008 jährlich erfasst wurden, folgert das IDMC, dass durchschnittlich jede Sekunde ein Mensch aufgrund von Wetterereignissen vertrieben wurde.

Natürlich ist es schwierig, zweifelsfrei festzustellen, welche extremen Wetterereignisse eine direkte Folge des Klimawandels sind. Allerdings sind die zunehmende Häufigkeit und Intensität dieser Ereignisse – wie Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und Hurrikane – sehr wohl vor dem Hintergrund des Zusammenhangs zwischen dem Klimawandel und extremem Wetter zu sehen. Die Zunahme von extremen Wetterereignissen wird sich voraussichtlich fortsetzen, was bedeutet, dass sich auch das Problem der Klimamigration weiter verschärfen wird. 

Dürre in La Guajira

Frías und sein Team hoffen, dass ihr Einsatz von Mobilfunkdaten (Call Detail Records - CDR) dazu beitragen kann, dieses Problem anzugehen. Sie führten eine Vorstudie auf lokaler Ebene durch, die sich mit der Gemeinde La Guajira im Nordwesten Kolumbiens befasst. La Guajira hat im Jahr 2014 aufgrund einer schweren anhaltenden Dürre den Katastrophenfall ausgerufen. Der Wassermangel und seine Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung haben viele Einwohner dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.

Die Forscher haben ihre Bewegungen mit Hilfe aggregierter und anonymisierter CDR aufgezeichnet, um verschiedene Migrationsmuster zu erkennen. Die vorläufigen Zahlen besagen, dass 90 Prozent der Einwohner im weiteren Umkreis von La Guajira blieben, jedoch in Gegenden zogen, in denen die Dürre nicht so gravierend war. Die anderen 10 Prozent verteilten sich auf andere Gemeinden, überwiegend in nahe gelegenen Regionen.

Lokale Fluchtziele von Opfern verstehen

Die Bewegungsströme aufzuzeichnen ist sehr wichtig, da diese Migranten oft sehr hilfsbedürftig sind. Wenn sich vorhersagen lässt, wie sie sich wohin bewegen, kann ihnen gezielter und wirksamer geholfen werden. Zwar kann ein besserer Einsatz der Hilfen das Problem der Klimamigration nicht  grundsätzlich verringern, doch sie kann dafür sorgen, das dadurch verursachte Leid zu mildern.

Die Forschung auf diesem Gebiet steckt noch in den Kinderschuhen, doch die ersten Ergebnisse der Studie haben uns neugierig gemacht. Wenn sie auf lokaler Ebene in Kolumbien erfolgreich ist, könnte sie auf größere geographische Regionen ausgeweitet werden, wodurch sich noch mehr Informationen über die Bewegungsmuster klimawandelbedingter Migration generieren ließen. Die Telefónica Data Unit LUCA arbeitet bereits mit der UNICEF-Initiative Magic Box zusammen, um mit Hilfe von Big Data Probleme wie die Bewältigung von Naturkatastrophen und die Ausbreitung von Viren in Angriff zu nehmen. Das Potenzial, Big Data für das gesellschaftliche Wohl in Bezug auf den Klimawandel einzusetzen, ist eine großartige Chance, mit Daten etwas Konkretes zu bewirken.

Mehr Informationen über die Untersuchung sind in diesem Dokument von Enrique Frías zusammengestellt.

Telefónica NEXT Team in Deutschland beschäftigt sich u.a. mit den Möglichkeiten, Kohlendioxid und andere schädliche Gase über Mobilfunkdaten zu berechnen. Das Projekt gewann 2017 einen German Award for Excellence.